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Bund Naturschutz in Bayern e.V. OG Freilassing u.Umg. Michael
Behringer, Bahnhofstr. 13,
83404 Ainring, Bahnhofstr. 13, Tel. 08654 / 50804 E-Mail freilassing@bund-naturschutz.de
Atomstrom – eine todsichere Angelegenheit
Liebe Freunde, liebe Schülerinnen und Schüler, heute ist
Euer Tag,
nicht politische Gruppen oder Umweltverbände haben diese Demonstration
organisiert, sondern Ihr: Ihr habt Euch Gedanken gemacht um die
Zukunft, Ihr habt als junge Leute professionell eingeladen und organisiert
und wir, die Alten, sind gekommen, um mit Euch nicht nur den Opfern
zu gedenken, sondern endgültig die Weichen für Eure Zukunft
zu stellen.
Wir alle sind entsetzt und können unsere Gefühle kaum
beschreiben über das, was passiert ist, obwohl wir es seit
Jahrzehnten hätten wissen können, dass es passieren wird
und wir seit Jahrzehnten davor gewarnt haben. Wir haben recht behalten
und wünschten doch so sehr, dass, wir nicht Recht gehabt hätten.
Was macht Kernenergie so gefährlich?
Man riecht sie nicht, man hört sie nicht, man spürt sie
nicht und sehen tun wir die Ergebnisse erst, wenn ein Atommeiler
in die Luft geflogen ist. Und heute seit den Morgenstunden ist es
amtlich von der japanischen Regierung bestätigt worden: Der
Super-GAU ist da, die Kernschmelze in Fukushima ist in vollem Gange,
wahrscheinlich schon seit 2 Wochen und dagegen ist jeder Mensch
und jede Technik machtlos. Ein Atomreaktor hat nämlich keine
Notbremse, keinen Notaus-Schalter. Auch wenn ein AKW vom Netz genommen
wird, glühen die Brennstäbe noch jahrelang mit größter
Hitzeentwicklung nach und strahlen weiter. Erst nach ca. 3 Jahren
im Wasserbad können sie überhaupt in Castor-Behälter
gepackt und transportiert werden.
Aber wohin? Es gibt kein Endlager.
Seit über 5 Jahren werden darüber hinaus unsere deutschen
Brennstäbe nicht mehr wieder aufbereitet, was eine höchst
riskante Technik ist, wie vorher in La Haag, Frankreich, so dass
mit jedem Tag, an dem ein AKW seine Laufzeiten verlängert bekommt,
die 21- fache Menge Atommüll anfällt, wie vor 2006. Daher
ist jeder Monat einer früheren Abschaltung ein Gewinn für
das Atommüllproblem, weil mit jedem weiteren Zeitraum zusätzliche
Tonnen radioaktiven Mülls anfalllen. Allein aus diesem Grund
muss der Ausstieg sofort geschehen.
Atommüll strahlt schier ewig lange nach. Bei Cäsium ist
die Halbwertszeit 30 Jahre. Halbwertszeit ist in der Physik die
Zeitspanne, in der sich die Radioaktivität eines Stoffes um
die Hälfte verringert.Die andere Hälfte hat sich in ein
anders Nukleid umgewandelt, das seinerseits entweder radioaktiv
oder aber auch konstant ist. Plutonium hat eine Halbwertszeit von
24 110 Jahren. Das ist genau das doppelte an Jahren, seit gegen
Ende der letzten Eiszeit die Gletscher zu schmelzen begonnen haben.
Vor 12 000 Jahren ist Freilassing noch unter einer 400 Meter dicken
Eisdecke begraben gewesen. Ich kenne keine Verpackung die so lange
hält und keinen Wissenschaftler, der uns sagt, was in den nächsten
48 000 Jahren in unserer Region geologisch passieren wird. Bis dahin
strahlen aber unsere Brennstäbe und wenn Strahlung frei wird,
gibt es Krebs, Leukämie und akut Schilddrüsenerkrankungen
– auch bei uns. Denn kein deutsches AKW ist ganz dicht. Das
sagen nicht grüne Politiker oder Naturschutzverbände.
Das haben die Beamten des Bundesamtes für Strahlenschutz veröffentlicht.
Im Umkreis von 5 km eines KKW ist das Krebsrisiko bei Kindern um
60 %, das Leukämierisiko um 120 % erhöht.
Pro Betriebsjahr und pro Megawatt = Strahlung einer Hiroshima-Bombe
Ein AKW mit 1200 MW Leistung produziert radioaktive Strahlung von
1200 Hiroshima-Bomben. Apropos Bomben? Die AKW sind nicht gegen
Flugzeugabstürze gesichert. Jedes einzelne Passagierflugzeug
kann, wenn es auf ein AKW stürzt, eine Super GAU auslösen.
Jederzeit - auch in Deutschland. Was geschieht bei Terrorattacken?
Gerät spaltbares Material wie Plutonium 239 oder hoch angereichertes
Uran 235 in falsche Hände, könnte mit einfachster Technik
ein nuklearer Sprengkörper gebastelt werden oder eine schmutzige
Bombe.
Deutschland ist Hochburg bei der Herstellung von Brennstäben,
die wir wieder ins Ausland verkaufen. Gutes Geschäft, aber
gefährlicher Transport. In Frankreich werden die Brennstäbe
und Castorbehälter ganz normal auf Lkw als Schwertransport
befördert. Fragt mal nach, wie die Brennstäbe bei uns
verladen sind? Nur die Castor Transporte ins Zwischenlager werden
von starkem Polizeieinsatz überwacht.
Bereits der Uranabbau tötet
Nicht bei uns? Doch. Zwar sind die letzten großen Uranvorkommen
in Nordamerika, Australien, Russland, Südafrika und Kongogebiet.
Dort fallen für jede Tonne Uranerz bis zu 2000 Tonnen strahlender
umweltbelastender Abraum an und machen die Bergwerksarbeiter, wie
die Umgebung krank. Doch auch in Deutschland wurde massiv Uran abgebaut,
in der Wismut , in der ehemaligen DDR. Aufgrund der Strahlenbelastung
gab es dort vermehrt Krebs. Allein 7000 Fälle von Lungenkrebs
sind dokumentiert. Schätzungen sprechen von 20000 Opfern.Das
ist eine menschliche Tragödie vor unserer Haustüre, in
unserem eigenen Land, aber auch ein finanzielles Desaster. Allein
die Sanierung der Wismut-Urangruben hat den Deutschen Steuerzahler
nach der Wiedervereinigung 6,5 Milliarden Euro gekostet. Atomtstrom
ist also ein sehr teuerer Strom, weil die meisten Kosten, z.B. auch
die Endlagerkosten, nicht von den Energiekonzernen getragen werden,
sondern von uns allen.
Auch in Deutschland gibt es kein sicheres AKW
Deswegen kann auch keine Versicherung die Risiken eines AKW-Betriebes
absichern.
Die alten Reaktoren basieren auf einer Bauweise, die heute schon
nicht mehr genehmigt werden könnte. Ein AKW kann man aber auch
nicht ausflicken, wenn das Material ermüdet, die Isolierung
verstärken oder den Boden. Alle unsere älteren Reaktoren
haben Schweißnähte unten am Reaktorbehälter, der
Brennstäbe und radioaktives Kühlwasser um schließt.
Dieser Bereich ist nicht zugänglich und auch nicht überprüfbar.
Jeder weiß, dass ein Haus, das vor 40 Jahren gebaut wurde,
saniert werden muss. Bei einem AKW geht das schlichtweg nicht. Daher
bleibt nur die Abschaltung und Stillegung. Wir wissen nämlich
nicht, ob und wann bei uns ein Kühlsystem ausfällt, weil
die Flüsse zu wenig Wasser führen und das Notstromaggregsat
nicht anspringt. Kann auch in Deutschland passieren, dass mal ein
Motor nicht anspringt oder sind wir ein Wunderland? Hunderte Störfälle
beweisen das Gegenteil.
Super Gaus in hochtechnisierten Ländern.
Bekannt sind Tschernobyl und jetzt Fukushima. Fast vergessen ist
Harrisburg am28. März 1979, Shellafield in England und gar
nicht bekannt ist Lusens in der Schweiz im Jahr 1969. Da ist es
der Atomlobby gelungen, diese Kernschmelze einfach zu verschweigen.
Nur bei intensiven Recherchen im Internet kann man es nachlesen.
Jedenfalls alle 5 Gaus und superGaus haben sich nicht in Bananenrepubliken
ereignet, sondern in hochtechnisierten Industrienationen, wo die
Sicherheitsstandards groß und die Ingenieure auch nicht blöder
sind, als bei uns.Die radioaktive Wolke entsteht bei jedem Gau,
wenn die strahlenden Teilchen, wie jetzt in Japan, in die Atmosphäre
entweichen. Es ist nur eine Frage des Wetterberichts, wohin sie
treiben, übers Land,, übers Meer. Auch in Europa sind
die japanischen Teilchen schon angekommen. Bis gestern wurden in
Deutschland zwar die Grenzwerte noch nicht ganz erreicht. Doch ein
Blick auf den aktuellen Strahlenatlas verheißt nichts gutes.
Wegen der schwierigen topographischen Lage ist unser Landkreis,
ähnlich wie nach Tschernobyl, wieder mitten unter den Spitzenreitern.
Aber ich will keine Panik verbreiten, noch sind wir einigermaßen
verschont geblieben, obwohl wir wegen der Vorbelastung wirklich
nichts mehr dazu brauchen können. Wir haben auch Zugang zu
privaten Messungen, weil wir uns nicht mehr beschwichtigen oder
anlügen lassen. Wenn es akut wird, hören Sie von uns wieder.
Gebot der Stunde: Umdenken
Auch ohne Atomstrom gehen die Lichter nicht aus in Deutschland.
In ein paar Wochen sind u.a.wegen Reparaturarbeiten 3 /4 aller AKW
bei uns abgeschaltet. Wir reden zu Ostern weiter, ob es finster
geworden ist. Wir brauchen auch nicht von den schlechten unsicheren
AKW aus dem Ostblock einkaufen, weil wir es ja sind, die Strom im
Überschuss produzieren und den Strom von nicht weniger als
6 AKW ( 6 von 17!) ins Ausland verkaufen. Das wird immer wieder
verschwiegenen. Energiesparen kann jeder einzelne. Da liegt noch
viel Potenzial drin und mit den erneuerbaren Energien sind wir so
schnell vorangekommen, dass es den Konzernen unheimlich wurde und
die noch amtierenden Politiker in Berlin die Einspeisevergütungen
zurückfahren mussten, um die Konzerngewinne nicht zu gefährden.
Außerdem haben unsere Politiker Regelungen geschaffen, dass
größere PV Anlagen nur einspeisen dürfen, wenn Nachfrage
vorhanden ist, damit man nicht zugeben muss, dass man auch jetzt
schon das eine oder andere AKW abschalten könnte.
Technisch sind die erneuerbaren Energien ausgereift. Selbst als
Brückentechnologie wird der Atomstrom nicht mehr gebraucht,
wenn wir Gas geben bei den Erneuerbaren. Netzausbau zu den Windrädern
kann in wenigen Monaten über die Bühne gehen, wenn man
will. Dächer für PV Anlagen gibt es genug, um ganz Europa
damit zu versorgen. Nur Politiker und Konzerne haben Angst,wenn
man unabhängig von ihnen wird. Daher die Blockadehaltung beim
Ausstieg und der jetzt wohl missglückte Versuch des Wiedereinstiegs
über die Laufzeitverlängerungen. Nach unseren Berechnungen
könnte man optimal schon in 2 bis 3 Jahren das letzte AKW abschalten,
nach übereinstimmenden Berechnungen der Fachleute in 5 Jahren
und wenn man nur die Ausstiegsszenarien der früheren Bundesregierung
wieder aufleben lässt, ist in gut 8 Jahren das letzte AKW vom
Netz.
Aktiv vor Ort
Wir wollen heute aber aufzeigen, dass unsere Jugend selbst ihr
Leben gestalten und die Zukunft in die Hand nehmen will. Wie sehen
heute , dass unsere Schüler nicht auf Geschenke und Programme
von oben warten, nicht auf das, was wir Grauschimmel hier, in München
oder in Berlin weismachen wollen.
Diese friedliche Kundgebung ist die Bitte an alle Entscheidungsträger,
den Weg in eine glückliche Welt nicht zu verbauen, nicht durch
Habgier und Gewinnsucht für einige wenige Spekulanten alles
zu blockieren, was Sinn macht und der eindringliche Appell, endlich
mit Eingriffen und Angriffen auf das Recht auf Leben und körperliche
Unversehrtheit aufzuhören. Es reicht und wir all bitten um
Gehör und wollen künftig bei Existenzfragen mitreden,
wie es sich in einer Demokratie eigentlich gehört. Eine neue
Kultur des Umgangs miteinander, weg vom bloßen Machtdenken
, eine neue wirtschaftliche Kultur weg vom Abhängigkeiten –
Schaffen zur Gewinnmaximierung ist ebenso wichtig, wie Offenheit
und Ehrlichkeit. Der Größenwahn hat schon mehr Opfer
gefordert, als Naturkatastrophen.
Zum Gedenken an die Opfer der letzten Wochen und mit der Bitte
und dem Gebet, dass endlich jetzt vielen ein Licht aufgehen möge,
zünden wir jetzt unsere Kerzen an.
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